© K. Plumbohm
Erzieherstammtisch Magdeburg
Männliche Fachkräfte sind immer noch eine Seltenheit in Kindertagesstätten. Für sie bietet der Erzieherstammtisch eine wichtige Plattform für den Austausch.
Als Mann räumst du doch bestimmt gerne den Keller aus, spielst Fußball mit den Kindern und bist handwerklich begabt, oder? Rollenklischees sind überall und machen natürlich auch nicht vor Kindertagesstätten halt. Gerade einmal neun Prozent* des Personals in Magdeburger Kindergärten ist männlich. Dabei steigt die Zahl der männlichen Fachkräfte in den letzten Jahren schon kontinuierlich an.
Auch Rudolf Lockau war lange der einzige Erzieher in seiner Einrichtung. „Ich habe das gar nicht so reflektiert, aber es wurde von außen thematisiert.“, erinnert er sich. Im Jahr 2015 entwickelte er daraus gemeinsam mit der Stiftung Evangelische Jugendhilfe die Idee, eine Austauschplattform für Erzieher zu schaffen. Machen sie ähnliche Erfahrungen wie er? Mit welchen Vorurteilen sehen sie sich konfrontiert? Um das und mehr zu besprechen, lud er zum ersten Erzieherstammtisch ein. Seiner Einladung folgten aus dem Stand mehr als 20 Männer. Mittlerweile wird die Organisation der Treffen von Sebastian Scholz, der für das Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V. arbeitet, unterstützt.
Vier Erzieherstammtische finden im Jahr statt. Die Männer reisen dafür teils aus ganz Sachsen-Anhalt nach Magdeburg. Dabei sein können alle, vom Auszubildenden bis zum Einrichtungsleiter. Die Treffen finden jeweils in einer anderen Kindertagesstätte statt, um unterschiedliche Konzepte kennenzulernen und neuen fachlichen Input zu sammeln. Die Hoffnung ist, dass sich daraus in Zukunft auch Synergien zwischen einzelnen Trägern entwickeln. Die Stammtische bilden aber auch einen Schutzraum, in dem sich die Männer über Probleme und Sorgen austauschen können. Der Blick der pädagogischen Fachkräfte richtet sich dabei auch auf die Väter, deren Kinder in ihren Einrichtungen betreut werden. Oft sitzen vor allem die Mütter in Gremien oder Vorständen der Kindertagesstätten. Männer sind auch hier kaum präsent. Dabei ist es für die Vater-Kind-Beziehung von Vorteil, wenn der Vater in die Geschehnisse in der Kindertagesstätte involviert ist. Schließlich verbringt der Nachwuchs dort viel Zeit.
Bei all dieser Sensibilisierungsarbeit ist es Rudolf Lockau vor allem wichtig, den Kindern bei der Identitätsfindung zu helfen. „Es gibt nicht den Mann. Wir wollen nur zeigen, wie Männlichkeit aussehen kann. Die Kinder dürfen dann selbst entscheiden, wer sie sind und wie sie sein möchten.“, sagt er. Denn Männlichkeit ist vielfältig. Statt Kindern eine Rolle aufzudrücken, sollten sie sich möglichst frei in ihrer Persönlichkeit entwickeln dürfen und dafür braucht es Vorbilder, die eine Vielfalt repräsentieren.
Anmeldung für den Erzieherstammtisch unter: scholz@geschlechtergerechtejugendhilfe.de, Kita Mimmelitt/Große Steinernetischstraße 11
*Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2022
